Risikoprüfung in der Privaten Krankenversicherung

Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung, die alle Versicherungspflichtigen aufnehmen muß, kann der private Krankenversicherer auswählen, wen er versichert. Es besteht kein Rechtsanspruch auf den Vertragsabschluß. Und auch die Finanzierung ist klarer geregelt: Die privaten Unternehmen geben die Kosten, wenn sie die Einnahmen übersteigen, in Form von Beitragsanpassungen an ihre Versicherten weiter.

Ziel der sogenannten Risikoprüfung und auch das Interesse der Versichertengemeinschaft ist es, die voraussichtlichen Kosten überschaubar zu halten und Kündigungen nach Vertragsabschluß zu vermeiden. Daher wird nach folgenden Kriterien vor der Vertragsannahme geprüft:

1. Ist bei dem Kunden/ der Kundin in den nächsten Jahren zu erwarten, daß hohe Rechnungen eingereicht werden und vom Versicherer bezahlt werden müssen?

2. Ist zu erwarten, daß der Vertrag pünktlich und zuverlässig bezahlt werden kann?

Zu 1:
Jeder Versicherer stellt im Antrag Fragen nach dem Gesundheitszustand. Sie sind unterschiedlich formuliert, aber es ergibt sich folgendes Grundmuster: Meist wird gefragt nach Arztbehandlungen in den letzten 5 Jahren, Krankenhausaufenthalten in den letzten 10 Jahren, nach bevorstehenden Behandlungen, nach fehlenden Zähnen und ohne zeitliche Einschränkung nach schweren Erkrankungen und Behinderungen. Jeder Versicherer hat dann seine Kriterien, nach denen er Erkrankungen mitversichert, sie mit Zuschlägen belegt oder sogar den Vertragsabschluß ablehnt.

Tipp: Geben Sie unbedingt alle Erkrankungen an, nach denen der Versicherer fragt. Denn Ihnen kann der Vertrag noch nach Jahren aufgekündigt werden, wenn Sie nicht alle Gesundheitsfragen umfassend und wahrheitsgemäß beantwortet haben!

Es gibt Erkrankungen, bei denen eine Annahme bei einem privaten Versicherer fast unmöglich ist. Hier sollten Sie erst bei der entsprechenden Gesellschaft anrufen und sich über die Annahmefähigkeit erkundigen, bevor Sie sich die Mühe machen und einen Antrag ausfüllen. Nicht versicherbar bei den meisten Gesellschaften sind Personen mit folgenden Erkrankungen:

• Krebserkrankungen, die nicht seit mindestens 3 Jahren als ausgeheilt gelten
• Diabetis
• Herzinfarkte
• Notwendigkeit von Herzschrittmachern
• Psychotherapeutische Behandlungen
• Morbus Crohn
• Schweres Übergewicht (über 50%)
• Chronische Erkrankungen aller Art während der laufenden Behandlung
• Unerfüllter Kinderwunsch und begonnene Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung

Tipp: Kündigen Sie nie Ihren Vorversicherer, ohne bei der neuen Gesellschaft schon eine schriftliche Bestätigung der Annahme erhalten zu haben! Sie können nie sicher sein, daß Sie angenommen werden, und Sie müssen auch jede Erkrankung in der Phase zwischen Antragstellung und Annahme nachmelden! Ein Unfall zum Beispiel macht die Annahme ggf. unmöglich, und der alte Versicherer wird Sie dann auch nicht zurücknehmen!

Zu 2:
Ziel jedes privaten Krankenversicherers ist es, die Zahl der Kündigungen möglichst niedrig zu halten. Daher wünschen Versicherer als Kundinnen und Kunden vor allem Personen, von denen eine regelmäßige Beitragszahlung zu erwarten ist. Die Annahmerichtlinen sind bei den einzelnen Gesellschaften unterschiedlich, aber in der Regel werden Anträge von folgenden Personengruppen nicht angenommen:

• Personen mit kurz vorher erfolgten eidesstattlichen Versicherungen und Haftbefehlen
• Arbeitslose
• Umschüler (bei ihnen ist zu erwarten, daß sie demnächst Angestellte und damit versicherungspflichtig werden)
• Ausländer ohne längerfristige Aufenthaltsgenehmigung
• Personen, denen bei einem anderen Krankenversicherer wegen Nichtzahlung gekündigt wurde
• Personen ohne festen Wohnsitz
• Bestimmte Berufsgruppen mit unregelmäßigem Einkommen und hoher beruflicher Gefährdung
• Personen, die sich nicht überwiegend in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten.

Die Risikoprüfung der Gesellschaften ist aber immer individuell, daher ist es möglich, dass Personen mit mehreren gleichzeitig gestellten Anträgen bei der einen Gesellschaft ohne weiteres angenommen, bei der zweiten mit Zuschlag versichert und bei der dritten sogar abgelehnt werden. Suchen Sie daher eine unabhängige Beratung, bei der das gesundheitliche Risiko eingeschätzt und, wenn nötig, bei verschiedenen Gesellschaften Probeanträge gestellt werden. Und wenn dennoch eine Ablehnung erfolgt, so sollten Sie diese als Anwendung von festgelegten Annahmekriterien und nicht als persönliche Zurückweisung ansehen!